Teil V - Auslandsbezug


zurück 


1. Dürfen Personen eines anderen EU-Mitgliedstaats, einem anderen EWR-Vertragsstaat oder der Schweiz in Deutschland Hilfe in Steuersachen leisten?
 
Personen aus o. g. Staaten, die in ihrer Heimat beruflich niedergelassen sind und dort geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen nach dem Recht des Niederlassungsstaates leisten, sind unter nachfolgend genannten Voraussetzungen auch in Deutschland zur vorübergehenden und gelegentlichen geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen befugt:

  • Der Umfang der Befugnis zur Hilfeleistung in Steuersachen im Inland richtet sich nach dem Umfang dieser Befugnis im Niederlassungsstaat.
  • Bei ihrer Tätigkeit im Inland unterliegen sie denselben Berufsregeln wie bspw.        Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Rechtsanwälte. 
  • Wenn weder der Beruf noch die Ausbildung zu diesem Beruf im Staat der        Niederlassung reglementiert ist, gilt die Befugnis zur geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen in Deutschland nur, wenn die Person den Beruf  dort während der vorhergehenden zehn Jahre mindestens zwei Jahre ausgeübt  hat.
  • Die geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen ist nur zulässig, wenn die Person vor der ersten Erbringung im Inland der gemäß § 3a Abs. 2 StBerG zuständigen Stelle schriftlich Meldung erstattet hat.
  • Die geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen ist nur unter der  Berufsbezeichnung in der Amtssprache des Niederlassungsstaates erlaubt. Wer berechtigt ist, die        Berufsbezeichnung "Steuerberater"/"Steuerberaterin", "Steuerbevollmächtigter"/       "Steuerbevollmächtigte" oder "Steuerberatungsgesellschaft" zu führen, hat zusätzlich die Berufsorganisation, der er im Niederlassungsstaat angehört, sowie den Niederlassungsstaat anzugeben.
  • Für die geschäftsmäßige Hilfeleistung in Steuersachen sind ausreichende deutsche Sprachkenntnisse erforderlich. Andernfalls kann die Ausübung der Tätigkeit untersagt werden.


2. Ich habe in Polen erfolgreich ein Jurastudium absolviert. Was muss ich tun, um in Deutschland geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen leisten zu können?

In Betracht kommen  

1.            eine Teilnahme an der deutschen Steuerberaterprüfung gemäß §§ 35 ff. StBerG,

2.            die Durchführung der Eignungsprüfung gemäß § 37a Abs. 2 bis 5 StBerG oder aber

3.            eine Hilfeleistung gemäß § 3a StBerG.  

zu 1: Eine Zulassung zur Steuerberaterprüfung käme in Betracht, wenn Ihr polnisches Jura-Studium einem rechtswissenschaftlichen Hochschulstudium in Deutschland entspricht (siehe hierzu www.anabin.de) und Sie auch alle weiteren Zulassungsvoraussetzungen, insbesondere die zwei- bzw. dreijährige berufspraktische Tätigkeit gemäß § 36 Abs. 3 StBerG, erfüllen.   

zu 2: Staatsangehörige eines EU-Mitgliedstaates oder eines EWR-Vertragsstaates bzw. der Schweiz mit einem Befähigungs- oder Ausbildungsnachweis, der in einem anderen Mitgliedstaat oder Vertragsstaat als Deutschland oder in der Schweiz zur selbstständigen Hilfe in Steuersachen berechtigt, können auf Antrag eine Eignungsprüfung im Sinne des Artikels 14 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (ABl. EU Nr. L 255 S. 22, ABl. EU 2007 Nr. L 271 S. 18), geändert durch die Richtlinie 2006/100/EG des Rates vom 20. November 2006 (ABl. EU Nr. L 363 S. 141), ablegen.  Mit der erfolgreich abgelegten Eignungsprüfung werden dieselben Rechte erworben wie durch die erfolgreich abgelegte Steuerberaterprüfung. Die weiteren Einzelheiten ergeben sich aus § 37a Abs. 3 bis 5 StBerG.  

zu 3: Falls Sie in Polen als Steuerberater/in beruflich niedergelassen sind und dort befugt geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen nach polnischem Recht leisten, sind Sie auch in Deutschland zur vorübergehenden und gelegentlichen geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen befugt, soweit Sie die in § 3a StBerG genannten Voraussetzungen erfüllen (siehe Antwort zu Frage 2).

3. Berechtigt mich mein türkisches Diplom, das mir eine Steuerberatertätigkeit in der Türkei erlaubt, auch in Deutschland steuerberatend tätig zu sein? Falls nicht, was muss ich dafür tun? Kommt für mich eine Eignungsprüfung in Betracht?
 
Die für Absolventen aus anderen EU- oder EWR-Mitgliedsstaaten als Deutschland bestehende Möglichkeit, gemäß § 37a Abs. 2 bis 5 StBerG eine Eignungsprüfung abzulegen, ist Bewerbern aus anderen Ländern nicht eröffnet.   

Um in Deutschland steuerberatend tätig zu sein bedarf es in Ihrem Fall der erfolgreichen Teilnahme am regulären Steuerberaterexamen, wie es auch von deutschen Kandidaten abzulegen ist (§§ 35 ff. StBerG). Mit der gemäß § 37b StBerG zuständigen Prüfungsbehörde (Steuerberaterkammer am Ort der beabsichtigten beruflichen Tätigkeit) sollte daher vorab geklärt werden, ob Ihr Studium einschlägig im Sinne des § 36 Abs. 1 StBerG ist, also als wirtschaftswissenschaftliches oder rechtswissenschaftliches Hochschulstudium bzw. Hochschulstudium mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung anerkannt wird. Gemäß § 38a StBerG i. V. m. § 7 Verordnung zur Durchführung der Vorschriften über Steuerberater, Steuerbevollmächtigte und Steuerberatungsgesellschaften besteht die Möglichkeit, an die Prüfungsbehörde einen Antrag auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft zu richten.  

Schließlich ist zu beachten, dass die Teilnehmer der Steuerberaterprüfung vorher eine praktische Tätigkeit (zwei bzw. drei Jahre) zu absolvieren haben, die sich auf das Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern erstrecken muss. Regelmäßig wird diese Tätigkeit in der Praxis eines Steuerberaters ausgeübt.

4. Wird meine Ausbildung zum/r Steuerfachangestellten in den USA anerkannt? 

Berufsausbildungen dieser Art finden in den USA kein unmittelbares Äquivalent. Die Arbeitgeber sind in jedem Fall frei, Personen mit dieser Qualifikation einzustellen. Das amerikanische Steuersystem und auch die Berufspraxis in den dortigen Steuerberatungsgesellschaften weichen allerdings stark von deutschen ab. Erforderlich sind zudem gute englische Sprach- sowie Praxiskenntnisse, sodass hier üblicherweise eine Einarbeitung stattfindet. Eine direkte Anerkennung dieser Ausbildung ist der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen nicht bekannt.

5. Erfüllt mein österreichischer Studienabschluss zum Master of Financial and Industrial Management die Zulassungsvoraussetzungen zur deutschen Steuerberaterprüfung?
 
Auch ohne eine genauere Prüfung vornehmen zu können, gehen wir davon aus, dass Ihr österreichischer Studienabschluss zum Master of Financial and Industrial Management Sie dazu berechtigt, an der deutschen Steuerberaterprüfung teilzunehmen. Gegen eine Prüfungszulassung von Bewerbern mit Studienabschlüssen ausländischer Hochschulen bestehen nämlich dann keine Bedenken, wenn die Vergleichbarkeit mit Inhalt und Umfang der entsprechenden deutschen Hochschulabschlüsse gegeben ist (BFH, 8. Juni 1993, BStBl 94 II, 665). Gemäß § 36 Abs. 3 StBerG muss die praktische Tätigkeit die "von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern" umfassen. Regelmäßig ist daher eine Ableistung der berufspraktischen Tätigkeit nur in Deutschland möglich. Eine Ausnahme ist nur für den Fall denkbar, dass sich auch im Ausland in dem geforderten Umfang, nämlich mindestens 16 Wochenstunden, mit deutschen Steuerrecht befasst wird, etwa weil es sich um eine international und zumindest auch in Deutschland tätige bzw. dort ansässige Gesellschaft handelt.  

6. Ist die deutsche Staatsangehörigkeit eine Zulassungsvoraussetzung für die Steuerberaterprüfung? 
 
Wer zur Steuerberaterprüfung zugelassen werden will, muss die im Gesetz genannten Voraussetzungen erfüllen (vgl. §§ 35 und 36 StBerG). Danach ist die deutsche Staatsangehörigkeit keine Zulassungsvoraussetzung. Allerdings ist auf dem Zulassungsantrag anzugeben, welche Staatsangehörigkeit der Bewerber besitzt (§ 4 Abs. 2 Nr. 4 DVStB).

7. Können Sie bei der Suche nach einem Praktikumsplatz im Ausland weiterhelfen? 
 
Eine Vermittlung von Praktikumsstellen im Ausland erfolgt über die Bundessteuerberaterkammer nicht. Allerdings stellt die Informations- und Beratungsstelle (IBS) in einer Broschüre rund 170 Angebote für Auslandsqualifizierung von fast 60 Organisationen vor. Wer sich für den internationalen Markt fit machen und fremde Arbeitswelten und Kulturen hautnah erleben möchte, dem eröffnet sich auf 250 Seiten ein vielfältiges Angebot an Weiterbildungschancen in aller Welt. Das Spektrum reicht von einem Praktikum in Europa über ein Training-on-the-Job in den USA bis hin zu einer Praxiserfahrung in Fernost oder einem Entwicklungsland. Die Qualifizierungsprogramme richten sich vor allem an deutsche Fach- und Nachwuchskräfte. Auszubildende, Studenten und Absolventen finden hier ebenso interessante Angebote wie junge Berufstätige, Ausbilder und Berufsbildungsexperten. Die Inhalte der jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erscheinenden kostenlosen Publikation stehen auch im Internet unter www.ibs.inwent.org zur Verfügung. 

8. Ist es möglich, die berufspraktische Tätigkeit in einer Schweizer Steuerberaterkanzlei zu absolvieren? 

Entscheidend ist, dass die gesetzlich verlangte berufspraktische Tätigkeit im vorgeschriebenen Umfang (mind. 16 Wochenstunden) und mit dem vorgesehenen Inhalt absolviert wird. Gemäß § 36 Abs. 3 StBerG muss sich die Tätigkeit auf das Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern erstrecken. Sollte dies nachweislich auch bei einer Arbeit in einer Schweizer Steuerberaterpraxis erfüllt werden können, ist auch diese Tätigkeit anrechenbar und erfüllt die Zulassungsvoraussetzungen.    

 

zurück