Teil I - Steuerberater/in

zurück


1. Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten des Berufs Steuerberater/in ein?  

Der Zuwachs an Steuerberatern ist ungebrochen. Die 21 Steuerberaterkammern verzeichneten am 1. Januar 2009 insgesamt 84.169 Mitglieder. Allein in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Steuerberater und Steuerbevollmächtigten um ca. 20 % gestiegen. Berufliche Chancen auf betriebswirtschaftlichem und europäischem Gebiet sind aus Sicht der Bundessteuerberaterkammer Hauptgrund für die wachsende Steuerberater-Branche. Immer öfter sind Steuerberater für den mittelständischen Mandanten erster Ansprechpartner nicht nur für Steuerfragen, sondern zunehmend auch bei betriebswirtschaftlichen Themen. Bei aktuellen Herausforderungen wie bspw. dem Kreditrating können Steuerberater das oftmals langjährige Vertrauensverhältnis zum Unternehmer und die Kenntnisse über Betriebsinterna zum Vorteil der Mandanten nutzen. Ungeachtet der Wirtschaftskrise bringen neue Märkte in den EU-Beitrittsländern und zunehmende Auslandsaktivitäten deutscher Unternehmen Steuerberatern Chancen für europaweite Beratung.

2. Wie viele Steuerberater/innen gibt es bundesweit bzw. in einer bestimmten Region? 

Die Statistik der Bundessteuerberaterkammer gibt unter anderem Auskunft zur Entwicklung und zum aktuellen Stand der Mitgliederzahlen, zur Anzahl der Praxen, zur Repräsentanz von Frauen und Männern im Beruf des Steuerberaters, zu den angestellten und selbstständigen Steuerberatern, zur Altersstruktur usw. Sie finden diese unter "www.bstbk.de" (Wir über uns/Berufsstatistik).

3. Welcher Schulabschluss ist notwendig, um Steuerberater/in zu werden? 

Der klassische Weg zum/zur Steuerberater/in führt über ein wirtschaftswissenschaftliches oder juristisches Studium bzw. ein Studium mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung, erfordert also regelmäßig ein Abitur. Da aber auch der Besuch von Fachhochschulen mit o. g. Ausrichtungen anerkannt wird, ist es auch möglich, über eine abgeschlossene Berufsausbildung (Abitur nicht zwingend) den Weg zum/zur Steuerberater/in zu gehen. In jedem Fall ist nach einem Studium eine (zwei- bzw. dreijährige) berufspraktische Tätigkeit - regelmäßig in einer Steuerberaterpraxis - erforderlich. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, bspw. mit einem guten Realschulabschluss, zunächst eine Ausbildung, vorzugsweise zum/zur Steuerfachangestellten zu absolvieren und danach mit ausreichender Praxiserfahrung, welche nach zehn Jahren Tätigkeit als Steuerfachangestellte/r angenommen wird, zur Steuerberaterprüfung zugelassen zu werden. Diese Zeit kann verkürzt werden, wenn dazwischen eine Fortbildungsprüfung, bspw. zum/zur Steuerfachwirt/in, abgelegt wird. In diesem Fall ist insgesamt (nur) eine siebenjährige praktische Tätigkeit erforderlich.Weil somit verschiedene Wege zum Beruf des/der Steuerberaters/in führen, kann nicht pauschal festgelegt werden, dass ein bestimmter Schulabschluss zwingend erforderlich ist.

4. Welche Voraussetzungen bestehen für eine Zulassung zur Steuerberaterprüfung? 

Die Zulassung zur Steuerberaterprüfung setzt voraus, dass der/die Bewerber/in ein wirtschaftswissenschaftliches oder rechtswissenschaftliches Hochschulstudium oder ein Hoch­schulstudium mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung mit einer Regelstudienzeit von jeweils mindestens acht Semestern erfolgreich abgeschlossen hat und danach zwei Jahre praktisch tätig gewesen ist oder ein wirtschaftswissenschaftliches oder rechtswissenschaftliches Hochschulstudium oder ein Hochschulstudium mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung mit einer Regelstudienzeit von jeweils weniger als acht Semestern erfolgreich abgeschlossen hat und danach drei Jahre praktisch tätig gewesen ist.Eine Zulassung zur Steuerberaterprüfung ist auch möglich, wenn der/die Bewerber/in eine Abschlussprüfung in einem kaufmännischen Ausbildungsberuf bestanden hat oder eine andere gleichwertige Vorbildung besitzt und nach Abschluss der Ausbildung zehn Jahre oder im Falle der erfolgreich abgelegten Prüfung zum/r Geprüften Bilanzbuchhalter/in oder Steuerfachwirt/in sieben Jahre praktisch tätig gewesen ist.Die geforderte praktische Tätigkeit muss sich in einem Umfang von mindestens 16 Wochenstunden auf das Gebiet der von den Bundes- und Landesfinanzbehörden ve­walteten Steuern erstrecken.Für die Prüfung ist die Steuerberaterkammer zuständig, in deren Bereich der/die Bewerber/in zum Zeitpunkt der Antragstellung vorwiegend beruflich tätig ist oder, sofern der/die Bewerber/in keine Tätigkeit ausübt, er/sie seinen Wohnsitz hat. Bei mehreren Wohnsitzen ist der Wohnsitz maßgebend, an dem sich der/die Bewerber/in vorwiegend aufhält (Kontaktdaten der Steuerberaterkammern unter "www.bstbk.de").

5. Würde es reichen, nur Rechtswissenschaften oder nur BWL zu studieren oder müssen beide Bereiche abgedeckt werden? 

Bei dem der Steuerberaterprüfung vorausgehenden Studium muss es sich entweder um ein wirtschaftswissenschaftliches oder rechtswissenschaftliches Hochschulstudium oder ein Hochschulstudium mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung handeln. Es ist also nicht erforderlich, dass ein "Kombinationsstudiengang" belegt wird.

6. Ich bin Absolvent/in eines Diplom-Studiengangs mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung in Verbindung mit Sprachen und geisteswissenschaftlichen Fächern (Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien). Besteht die Möglichkeit zur Steuerberaterprüfung, obwohl ich kein reines BWL- bzw. Jura-Studium absolviert habe? 

Ob das von Ihnen absolvierte Studium den Voraussetzungen des § 36 Abs. 1 Nr. 1 bzw. 2 StBerG entspricht, kann verbindlich nur die zuständige Steuerberaterkammer entscheiden. Gemäß § 38a Abs. 1 Satz 1 StBerG erteilt sie auf Antrag eine verbindliche Auskunft über die Erfüllung einzelner Voraussetzungen. Da aber sowohl ein wirtschaftswissenschaftliches Universitätsstudium oder ein solches wirtschaftwissenschaftlicher Fachrichtung, z. B. Dipl.-Wirtschaftsingenieur, Dipl.-Handelslehrer, Dipl.-Agrar-Ingenieur bzw. Dipl.-Landwirt als geeignet angesehen wird, gehen wir davon aus, dass eine Zulassung zur Steuerberaterprüfung möglich sein müsste.

7. Ist es für die spätere Tätigkeit erforderlich, sich bereits während des Studiums mit dem Bereich Steuern zu befassen? 

Hinsichtlich der Zulassungsvoraussetzungen zur Steuerberaterprüfung schreibt das Gesetz den erfolgreichen Abschluss eines wirtschaftswissenschaftlichen oder rechtswissenschaftlichen Hochschulstudiums oder eines Hochschulstudiums mit wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung vor. Somit ist es nicht zwingend erforderlich, bereits während des Studiums einen Schwerpunkt auf den Bereich Steuern zu legen. Allerdings ist davon auszugehen, dass eine frühzeitige Ausrichtung auf den Bereich Steuern mit Blick auf die Steuerberaterprüfung und auch für die spätere Tätigkeit von Vorteil ist.

8. Ich möchte Steuerberater werden. Welche Studienrichtung empfehlen Sie mir? Gibt es eine besonders anerkannte Hochschule? 

Wir empfehlen Ihnen, ein BWL-Studium aufzunehmen und im Hauptstudium die Schwerpunkte Steuerlehre, Steuerrecht und Wirtschafsprüfung bzw. Rechnungswesen zu wählen. Einen direkteren bzw. schnelleren Weg zum Steuerberater gibt es nicht. Eine Aussage zu einer besonders anerkannten Hochschule ist uns leider nicht möglich, insbesondere weil der gute Ruf auch von den - allerdings wechselnden - Professoren abhängt. Wichtig ist aus unserer Sicht die erwähnte Verbindung Steuerlehre - Steuerrecht. Bitte erkundigen Sie sich in den einschlägigen Studienführern.

9. Ich bin seit 1999 Dipl.-Finanzwirt/in und als Beamter/Beamtin im gehobenen Dienst der Bundesfinanzverwaltung tätig. Gemäß § 36 Abs. 2 Nr. 2 StBerG bin ich nach sieben Jahren zur Steuerberaterprüfung zuzulassen, wenn ich mindestens 16 Wochenstunden im Bereich der von den Bundes- oder Landesbehörden verwalteten Steuern tätig war. Da ich seit einem halben Jahr bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit meinen Dienst verrichte, bin ich nicht mehr unmittelbar im Arbeitsgebiet der von den Bundesbehörden verwalteten Steuern tätig. Genügt es daher, Beamter/Beamtin einer solchen Behörde zu sein oder muss das Arbeitsfeld in diesen sieben Jahren unmittelbar mit von den Bundesbehörden verwalteten Steuern im Zusammenhang gestanden haben? 

Selbstverständlich genügt es nicht, lediglich Mitarbeiter/in der Finanzverwaltung zu sein. Entscheidend ist der Erwerb der praktischen Erfahrungen auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern. Im Gesetz heißt es daher: "Ein Bewerber ist zur Steuerberaterprüfung auch zuzulassen, wenn er der Finanzverwaltung als Beamter des gehobenen Dienstes oder als vergleichbarer Angestellter angehört oder angehört hat und bei ihr mindestens sieben Jahre als Sachbearbeiter oder in mindestens gleichwertiger Stellung praktisch tätig gewesen ist" (§ 36 Abs. 2 Nr. 2 StBerG).Allerdings gehen wir davon aus, dass in Ihrem Fall eine Zulassung zur Steuerberaterprüfung gemäß § 36 Abs. 1 StBerG in Betracht kommen müsste. Ihrem Abschluss als Dipl.-Finanzwirt/in ist vermutlich ein dreijähriges Studium an einer Fachhochschule vorausgegangen. Somit wären nicht sieben, sondern nur drei Jahre praktischer Tätigkeit in einem Umfang von mindestens 16 Wochenstunden auf dem Gebiet der von den Bundes- und Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern (nach dem Studium) erforderlich.

10. Ich habe mein Wirtschaftsrechtsstudium mit dem Grad des "Bachelor of Laws" abgeschlossen (Regelstudienzeit 6 Semester) und werde in Kürze ein Ergänzungsstudium der Steuerwissenschaften mit dem "Master of Laws in Taxation" abschließen (Regelstudienzeit 2 Semester). Können beide Studiengänge (als einschlägig) zusammengerechnet werden, so dass nun eine praktische Tätigkeit von nur zwei Jahren zu erfüllen ist?

Mit Inkrafttreten des Achten Steuerberatungsänderungsgesetzes zum 1. April 2008 wurde diese Frage eindeutig geklärt und ist nun zu bejahen. Danach gilt: Wurde in einem wirtschafts- oder rechtswissenschaftlichen Hochschulstudium i. S. v. § 36 Abs. 1 Nr. 1 StBerG ein erster berufsqualifizierender Abschluss und in einem, einen solchen ersten Abschluss voraussetzenden, weiteren Hochschulstudium i. S. v. § 36 Abs. 1 Nr. 1 StBerG ein weiterer berufsqualifizierender Abschluss erworben, werden die Regelstudienzeiten beider Studiengänge zusammengerechnet (§ 36 Abs. 1 Satz 3 StBerG). In Ihrem Fall sind also zwei Jahre berufspraktischer Tätigkeit erforderlich.
 
11. Ich habe Mathematik und im Nebenfach BWL studiert. Kann ich damit Steuerberater werden? 

Auch Absolventen eines Mathematikstudiums mit dem Nebenfach Betriebswirtschaftslehre können die fachlichen Voraussetzungen für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung erfüllen (BFH vom 28. August 1990, BStBl. 91 II, Seite 154).

12. Welche Möglichkeiten der Befreiung von der Steuerberaterprüfung gibt es? 

Die Voraussetzungen für die Befreiung von der Steuerberaterprüfung sind in § 38 StBerG geregelt. Danach kommt eine Befreiung insbesondere für folgende Personengruppen in Betracht: Professoren deutscher Hochschulen, ehemalige Finanzrichter sowie ehemalige Beamte bzw. vergleichbare Angestellte des höheren und des gehobenen Dienstes der Finanzverwaltung.

13. Besteht die Möglichkeit, die Steuerberaterprüfung auch durch Wochenend- oder Abendkurse zu machen? Wie lange dauert ein Kurs und wie viel kostet er? 

Die Prüfung kann nicht in Form von Wochenend- oder Abendkursen absolviert werden. Es handelt sich um eine staatliche Prüfung, für deren Organisation die Steuerberaterkammern zuständig sind.Üblicherweise bereiten sich die Prüfungsteilnehmer insbesondere durch Teilnahme an Kursen - parallel zur berufspraktischen Tätigkeit - auf die Prüfung vor. Eine beispielhafte Liste von Kursanbietern, die wir Anzeigen verschiedener Fachzeitschriften entnommen haben und daher kein Urteil über deren Qualität fällen können, finden Sie unten. Dauer und Kosten sind abhängig vom Kursanbieter. Durchschnittswerte sind uns nicht bekannt. Zur intensiven Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen kommt daneben gegebenenfalls auch ein postgraduales Studium (bspw. an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster oder der Universität Osnabrück) in Betracht.

Lehrgangsanbieter zur Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung

14. Welcher Weg zum/r Steuerberater/in ist der Bessere - Studium oder Praktikerzugang? 

Ob Sie Steuerberater/in nach einem einschlägigen Studium oder aber im Wege des Praktikerzugangs werden sollten, ist eine Entscheidung, die wir Ihnen nicht abnehmen können. Auch können wir diesbezüglich keine Empfehlung geben, weil nicht pauschal gesagt werden kann, dass dieser oder jener Weg erfahrungsgemäß der Bessere ist. Der Weg über ein Studium, das Sie gegebenenfalls nach acht Semestern abschließen könnten (zzgl. anschließender praktischer Tätigkeit von zwei Jahren), ist jedenfalls der klassische Weg (s. Antwort zu Frage 2) und wäre zudem der zeitlich Kürzere. Ob aber ein Studium für Sie in Frage kommt, ist eine persönliche Entscheidung, die von Ihnen getroffen werden muss.

15. Gibt es Fördermittel/Existenzgründungsbeihilfen für Vorbereitungskurse für die Steuerberaterprüfung?

Uns ist nicht bekannt, dass Vorbereitungskurse für die Steuerberaterprüfung (staatlich) gefördert werden. Für eine abschließende Klärung empfehlen wir, die Kursanbieter selbst nach eventuellen Fördermöglichkeiten zu befragen. Diese müssten hierzu verbindliche Auskunft geben können. Parallel dazu könnte eine Anfrage bei der Agentur für Arbeit weiterhelfen.Wir gehen auch nicht davon aus, dass bereits die Teilnahme an Vorbereitungskursen auf die Steuerberaterprüfung mit Existenzgründungsbeihilfen unterstützt wird. Unseren Erkenntnissen zufolge kommt diese Form der Förderung erst beim direkten Schritt in die Selbstständigkeit in Betracht; nämlich dann, wenn von einer fachkundigen Stelle die Tragfähigkeit und somit die Aussicht auf Erfolg der beruflichen Selbstständigkeit prognostiziert wird.

16. Kann ich sofort nach meiner universitären Ausbildung bei einem/r Steuerberater/in arbeiten und während dieser Tätigkeit die Steuerberaterprüfung ablegen?

Ja, die sofortige Aufnahme einer Tätigkeit bei einem/r Steuerberater/in ist, wenn auch nicht als Steuerberater/in, sondern lediglich als Assistent, Steuerlicher Mitarbeiter o. ä., möglich. Eine vorherige praktische Tätigkeit in einem Umfang von mindestens 16 Wochenstunden auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern ist sogar Prüfungsvoraussetzung.

17. Ist eine praktische Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern unbedingt erforderlich? 

Ja. Die berufspraktische Tätigkeit ist ebenso wie ein vorausgegangenes Studium bzw. die Abschlussprüfung in einem kaufmännischen Beruf eine unerlässliche Zulassungsvoraussetzung für die Steuerberaterprüfung. Sie muss in einem Umfang von mindestens 16 Wochenstunden erfolgen und kann durch eine weitere theoretische Ausbildung in Form eines speziellen Studiums, Lehrgangs etc. nicht ersetzt werden.

18. Welche Zeiten sind als berufspraktische Tätigkeiten im Sinne von § 36 Abs. 3 StBerG anrechenbar? 

Im Zulassungsverfahren zur Steuerberaterprüfung können nur solche Zeiträume berücksichtigt werden, in denen die praktische Tätigkeit auf dem Gebiet der von den Bundes- und Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern in einem Umfang von mindestens 16 Wochenstunden erbracht wurde (§ 36 Abs. 3 StBerG). Diese Anforderung gilt sowohl für Voll- als auch für Teilzeitbeschäftigte. Es ist unschädlich, wenn Bewerber über die 16 Wochenstunden hinaus andere, z. B. vereinbare Tätigkeiten, ausführen. Eine Saldierung von Wochen mit einschlägigen Tätigkeiten in einem größeren zeitlichen Umfang mit solchen, in denen die 16 Wochenstunden nicht erreicht werden, widerspricht dem Gesetz und ist daher nicht möglich. Bei den berufspraktischen Tätigkeiten ist zwischen anrechenbaren und nicht anrechenbaren Zeiträumen zu unterscheiden. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Bewerber tatsächlich praktische Vorbildung erwerben und die anspruchsvolle Steuerberaterprüfung bestehen kann.

19. Entspricht meine Tätigkeit als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in am Lehrstuhl Wirtschaftsprüfung der praktischen Tätigkeit gemäß § 36 StBerG? 

Neben der fachlichen Vorbildung ist Voraussetzung für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung, dass der/die Bewerber/in die erworbenen theoretischen Fachkenntnisse praktisch angewendet hat. Grundsätzlich ist daher davon auszugehen, dass eine wissenschaftliche Betätigung die gesetzlich geforderte praktische Tätigkeit nicht ersetzt. Es reicht nämlich nicht aus, dass eine allgemeine Tätigkeit auf dem Gebiet des Steuerrechts erbracht wird, vielmehr muss die Tätigkeit auf dem Gebiet der von Landes- oder Bundesfinanzbehörden verwalteten Steuern geleistet werden. Maßgeblich ist dabei die Berufsbezogenheit, so dass über den Wortlaut des Gesetzes hinaus sämtliche Arbeitsleistungen des Bewerbers, die als Hilfeleistung in Steuersachen zu verstehen sind, anrechenbar sind.Ob eine wissenschaftliche Tätigkeit im Einzelfall gleichwohl als praktische Tätigkeit anrechenbar ist, obliegt der Entscheidung der Prüfungsbehörde.
 
20. Ist es möglich, die berufspraktische Tätigkeit in einer Schweizer Steuerberaterkanzlei zu absolvieren?

Entscheidend ist, dass die gesetzlich verlangte berufspraktische Tätigkeit im vorgeschriebenen Umfang (mind. 16 Wochenstunden) und mit dem vorgesehenen Inhalt absolviert wird. Gemäß § 36 Abs. 3 StBerG muss sich die Tätigkeit auf das Gebiet der von den Bundes- oder Landesfinanzbehörden verwalteten Steuern erstrecken. Sollte dies nachweislich auch bei einer Arbeit in einer Schweizer Steuerberaterpraxis erfüllt werden können, ist auch diese Tätigkeit anrechenbar und erfüllt die Zulassungsvoraussetzungen.

21. Wie kann ich eine verbindliche Aussage zur Anrechenbarkeit meiner praktischen Tätigkeit erhalten?

Auf Antrag (amtlich vorgeschriebener Vordruck) erteilt die zuständige Steuerberaterkammer eine verbindliche Auskunft über die Erfüllung einzelner Voraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung (§ 38a StBerG i. V. m. § 7 DVStB). Die Bearbeitungsgebühr beträgt zweihundert Euro; sie ist an die zuständige Steuerberaterkammer zu zahlen (§ 39 Abs. 1 StBerG).

22. Können für die verlangte Praxistätigkeit fachbezogene Tätigkeiten im juristischen Vorbereitungsdienst (Referendariat) angerechnet werden?

Ausweislich des eindeutigen Wortlautes des Gesetzes ist ein Bewerber zur Steuerberaterprüfung zuzulassen, wenn er nach (danach) dem Studium zwei bzw. drei Jahre praktisch tätig gewesen ist (§ 36 Abs. 1 Nr. 1 und 2 StBerG). Sofern das Jura-Studium, wie beispielsweise in Bayern der Fall, mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen ist (Diplom-Jurist), können nachfolgende praktische Tätigkeiten nach § 36 Abs. 1 StBerG angerechnet werden. Maßgeblicher Zeitpunkt ist der Tag der Erbringung der letzten Studienleistungen, i. d. R. ist dies der Tag der mündlichen Prüfung.

23. Ich bin selbstständige/r Rechtsanwalt/Rechtsanwältin. Wie kann ich die geforderte praktische Tätigkeit absolvieren?

Grundsätzlich darf die praktische Tätigkeit nur unselbstständig im Angestelltenverhältnis geleistet werden. Da Sie aber als Rechtsanwältin gemäß § 3 Nr. 1 StBerG ohnehin zur Steuerberatung befugt sind, können Sie die Zulassungsvoraussetzungen für die Steuerberaterprüfung erfüllen, indem Sie im Rahmen Ihrer Berufsausübung als Rechtsanwältin regelmäßig selbstständig Hilfe in Steuersachen leisten (BFH 28.11.1989, BStBl 90 II 399; FG Baden-Württemberg 18.8.1994, EFG 94, 983) und Sie Arbeitszeit und -kraft der hauptberuflichen Tätigkeit überwiegend auf Steuersachen verwenden (BFH 7.3.1995, BStBl 95 II 421).

24. Kann man die berufspraktische Tätigkeit auch als freier Mitarbeiter in verschiedenen Steuerberaterbüros ableisten?

Die berufspraktische Tätigkeit ist grundsätzlich unselbstständig als Arbeitnehmer/in (Ausnahme: selbstständige Rechtsanwälte) zu leisten. Nur in diesem Rechtsverhältnis ist die fachkundige Begleitung der Berufsvorbereitung durch erfahrene Berufsangehörige oder Fachkräfte gewährleistet. Eine Berufsvorbereitung in selbstständiger Tätigkeit wäre als unbefugte Steuerrechtshilfe ordnungswidrig (vgl. § 5 StBerG) und darf im Hinblick auf die Zulassung zur Steuerberaterprüfung nicht berücksichtigt werden. Abweichend von diesem Grundsatz kann die Tätigkeit eines an sich selbstständigen freien Mitarbeiters unter bestimmten Voraussetzungen bei der Zulassung zur Steuerberaterprüfung anerkannt werden. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung ist z. B. die freie Mitarbeit, die ein Rechtsreferendar für einen Steuerberater auf dessen Weisung und unter dessen Verantwortung leistet, nicht als selbstständige Steuerrechtshilfe zu beurteilen und daher auf die berufspraktische Tätigkeit anzurechnen.

25. Wie finde ich einen Praktikumsplatz, um die für die Zulassung zur Steuerberaterprüfung erforderliche praktische Tätigkeit zu absolvieren?

Wir gehen davon aus, dass Sie eine Steuerberaterpraxis, in der Sie die gemäß § 36 Abs. 3 StBerG erforderliche praktische Tätigkeit absolvieren können, am besten durch Nachfrage bei Steuerberatern finden werden. In Ihrer Bewerbung sollten Sie gegebenenfalls auf besondere Kenntnisse sowie auf Ihre weiteren beruflichen Pläne - Steuerberaterexamen - hinweisen.Bei der Suche nach einem Arbeits- bzw. Praktikumsplatz kann es außerdem nützlich sein, im Mitteilungsblatt der regionalen Steuerberaterkammer zu inserieren. Die Adressen finden Sie unter "www.bstbk.de" 

26. Wann kann ich mit der berufspraktischen Tätigkeit beginnen bzw. wann gilt mein Studium als abgeschlossen? 

Ein Studium gilt grundsätzlich dann als beendet i. S. d. § 36 StBerG, wenn das in der Prüfungsordnung vorgesehene Prüfungsverfahren abgeschlossen ist, was regelmäßig mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses der Fall ist. Durch die flächendeckende Einführung von neuen Prüfungsordnungen an deutschen Hochschulen, die regelmäßig das Abfassen einer Diplomarbeit und nicht eine mündliche Prüfung als letzte Prüfungsleistung vorsehen, wird jedoch inzwischen eine andere Bewertung vorgenommen und davon ausgegangen, dass der Student mit der Abgabe seiner Diplomarbeit seine letzte Leistung erbracht hat. Da die Dauer der Korrektur der Diplomarbeit nicht in seinem Einflussbereich liegt und viele Hochschulen den Professoren keine Höchstkorrekturzeit vorschreiben, können zwischen Abgabe der Diplomarbeit (Tag der letzten Leistung des Studenten) und Bekanntgabe der Diplomnote (nach Korrektur der Diplomarbeit) mehrere Monate liegen. In diesen Fällen gilt: Wird nach Erbringung der letzten Prüfungsleistung eine praktische Tätigkeit aufgenommen, so ist die Ausbildung auch dann beendet, wenn das Prüfungsergebnis noch nicht bekannt gegeben worden ist. Im Anschluss durchgeführte berufspraktische Tätigkeiten sind anrechenbar i. S. d. § 36 StBerG. Auf den Zeitpunkt der Ausstellung der Diplomurkunde kommt es in diesen Fällen nicht an.

27. Wie läuft die Steuerberaterprüfung ab?

Die Prüfungsgebiete der Steuerberaterprüfung sind gemäß § 37 Abs. 3 StBerG:1. Steuerliches Verfahrensrecht sowie Steuerstraf- und Steuerordnungswidrigkeitenrecht,2. Steuern vom Einkommen und Ertrag,3. Bewertungsrecht, Erbschaftsteuer und Grundsteuer,4. Verbrauch- und Verkehrsteuern, Grundzüge des Zollrechts,5. Handelsrecht sowie Grundzüge des Bürgerlichen Rechts, des Gesellschaftsrechts, des Insolvenzrechts und des Rechts der Europäischen Gemeinschaft,6. Betriebswirtschaft und Rechnungswesen,7. Volkswirtschaft,8. Berufsrecht. Zwei Aufsichtsarbeiten sind den Prüfungsgebieten nach § 37 Abs. 3 Nr. 1 bis 4 StBerG und eine Aufsichtsarbeit den Gebieten der Buchführung und des Bilanzwesens zu entnehmen. Die Aufsichtsarbeiten können sich daneben jeweils auch auf andere Prüfungsgebiete erstrecken (§ 16 Abs. 2 DVStB). Nicht erforderlich ist, dass sämtliche Gebiete Gegenstand der Prüfung sind (§ 37 Abs. 3 StBerG).

28. Wo findet man Prüfungsklausuren? 

Bekannt ist uns, dass der Erich Fleischer Verlag Prüfungsklausuren mit Lösungen veröffentlicht. Neben den offiziellen Originalklausuren aus der Steuerberaterprüfung sind darin Übungsklausuren zu den jeweiligen Prüfungsgebieten (Ertragsteuern - Buchführung und Bilanzwesen - Abgabenordnung - Umsatzsteuer - Erbschaftsteuer) auf Examensniveau enthalten.

29. Wer ist für die Steuerberaterprüfung zuständig?

Nach § 37 Abs. 1 StBerG ist für die Zulassung zur Prüfung, für die Befreiung von der Prüfung und für die organisatorische Durchführung der Prüfung die Steuerberaterkammer zuständig, in deren Bezirk der/die Bewerber/in zum Zeitpunkt der Antragstellung vorwiegend beruflich tätig ist oder, sofern der/die Bewerber/in keine Tätigkeit ausübt, er/sie seinen Wohnsitz hat. Bei mehreren Wohnsitzen ist der Wohnsitz maßgebend, an dem sich der/die Bewerber/in vorwiegend aufhält. Befindet sich der nach § 37 Abs. 1 StBerG maßgebliche Ort im Ausland, so ist die Steuerberaterkammer zuständig, in deren Bezirk sich der Ort der beabsichtigten beruflichen Niederlassung im Inland befindet. Befindet sich der Ort der beabsichtigten beruflichen Niederlassung im Ausland, so ist die Steuerberaterkammer zuständig, bei der die Zulassung zur Prüfung beantragt wurde (§ 37 Abs. 2 StBerG).

30. Welche Kosten entstehen im Zusammenhang mit der Steuerberaterprüfung? 

Sofern in der Gebührenordnung der Steuerberaterkammern keine - der Höhe nach - anderen Beträge festgelegt werden, hat der Bewerber für die Bearbeitung des Antrags - auf Zulassung zur Prüfung, - auf Befreiung von der Prüfung oder - auf Erteilung einer verbindlichen Auskunft über die Erfüllung einzelner Voraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung bzw. über die Befreiung von der Prüfung eine Gebühr von zweihundert Euro an die zuständige Steuerberaterkammer zu zahlen (§ 39 Abs. 1 StBerG).Sofern in der Gebührenordnung der Steuerberaterkammern keine - der Höhe nach - anderen Beträge festgelegt werden, hat der Bewerber für die Prüfung eine Gebühr von eintausend Euro an die zuständige Steuerberaterkammer zu zahlen. (Zahlt der Bewerber die Gebühr nicht rechtzeitig, so gilt dies als Verzicht auf die Zulassung zur Prüfung. Tritt der Bewerber bis zu dem von der zuständigen Steuerberaterkammer zu bestimmenden Zeitpunkt von der Prüfung zurück, so wird die Gebühr nicht erhoben. Tritt der Bewerber bis zum Ende der Bearbeitungszeit für die letzte Aufsichtsarbeit zurück, so ist die Gebühr zur Hälfte zu erstatten; § 39 Abs. 2 StBerG).

31. Warum darf die Steuerberaterprüfung nur zweimal wiederholt werden (§ 35 Abs. 4 StBerG)?

Zur Frage der Wiederholung einer Prüfung hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 14.04.1970, VII R 94/97 (BStBl 1970 II S. 533) entschieden, dass ein/e Bewerber/in die Steuerbevollmächtigten-Prüfung nicht öfter als zweimal wiederholen kann. Gegen dieses Urteil war Verfassungsbeschwerde eingelegt worden, über die das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) mit Beschluss vom 17.03.1971 (1 BvR 496/70, HFR 1971, 303) entschied. Das BVerfG hat die Rechtsprechung als verfassungsrechtlich unbedenklich erklärt und in den Gründen u. a. ausgeführt: Prüfungsregelungen gehören zu den subjektiven Zulassungsvoraussetzungen im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 12 Grundgesetz. Wenn das Steuerberatungsgesetz die Zulassung als Steuerbevollmächtigte/r von einer Prüfung abhängig macht, so muss der Sinngehalt des Begriffs Prüfung so ausgelegt werden, wie er allgemein im gesamten deutschen Rechtsbereich verstanden wird. Danach kann eine nichtbestandene Prüfung allenfalls zweimal wiederholt werden. Ein dreimaliges Nichtbestehen einer Prüfung wird grundsätzlich als Nichterreichen des Prüfungszieles angesehen und damit als Nichterfüllen einer subjektiven Zulassungsvoraussetzung. Diese, dem Steuerberatungsgesetz im Wege der Auslegung zu entnehmende Regelung ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Der Beschwerdeführer musste von einer solchen Begrenzung der Prüfungswiederholungen aus dem Wesen der Prüfung ... ausgehen.

32. Ist man nach bestandener Steuerberaterprüfung sofort Steuerberater/in? 

Nein. Hierzu bedarf es eines vorherigen Bestellungsverfahrens. Hierfür ist ein Antrag auf Bestellung (Vordruck) an die örtlich zuständige Steuerberaterkammer zu richten. Die örtliche Zuständigkeit der bestellenden Steuerberaterkammer richtet sich nach der beabsichtigten beruflichen Niederlassung. Bei beabsichtigter beruflicher Niederlassung im Ausland ist für die Bestellung die Steuerberaterkammer zuständig, die den Bewerber von der Prüfung befreit hat oder die Steuerberaterkammer, in deren Kammerbezirk der Bewerber geprüft worden ist. Vor der Bestellung prüft die Steuerberaterkammer, ob der Bewerber persönlich geeignet ist und versagt die Bestellung insbesondere dann, wenn der Bewerber nicht in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, er infolge strafgerichtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter nicht besitzt, aus gesundheitlichen Gründen nicht nur vorübergehend unfähig ist, den Beruf des Steuerberaters ordnungsgemäß auszuüben oder sich so verhalten hat, dass die Besorgnis begründet ist, er werde den Berufspflichten als Steuerberater nicht genügen. Ist der/die Bewerber/in persönlich geeignet und liegen keine sonstigen, gegen eine Bestellung sprechenden Gründe vor, erfolgt die Bestellung durch Aushändigung einer Urkunde (§§ 40, 41 StBerG).

33. Kann die Bestellung zum/zur Steuerberater/in versagt werden? 

Ja. Die Bestellung ist insbesondere dann zu versagen, wenn der/die Bewerber/in nicht in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, infolge strafgerichtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter nicht besitzt, aus gesundheitlichen Gründen nicht nur vorübergehend unfähig ist, den Beruf des Steuerberaters ordnungsgemäß auszuüben oder sich so verhalten hat, dass die Besorgnis begründet ist, er werde den Berufspflichten als Steuerberater/in nicht genügen.Auch eine gewerbliche Tätigkeit, die mit der Gefahr der Verletzung von Berufspflichten verbunden ist und die daher nicht von der zuständigen Steuerberaterkammer ausnahmsweise zugelassen worden ist, sowie eine berufsrechtlich unzulässige Angestelltentätigkeit steht einer Bestellung als Steuerberater/in entgegen (s. hierzu § 57 Abs. 4 StBerG).

34. Muss man psychisch gesund sein, um bestellt zu werden? 

Für die Bestellung zum/zur Steuerberater/in ist erforderlich, dass keine gesundheitlichen Gründe vorliegen, die eine ordnungsgemäße Berufsausübung nicht nur vorübergehend einschränken (vgl. § 40 Abs. 2 Nr. 4 StBerG).

35. Im Rahmen des BAFöG-Datenabgleiches wurde ich zu einem Strafmaß i. H. von 20 Tagessätzen verurteilt. Verhindert diese Strafe die Möglichkeit, Steuerberater/in zu werden?

Eine strafgerichtliche Verurteilung zu 20 Tagessätzen steht einer Bestellung zur Steuerberaterin nicht im Wege. Gemäß § 40 Abs. 2 Nr. 2 StBerG ist die Bestellung zu versagen, wenn infolge strafgerichtlicher Verurteilung die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter nicht mehr gegeben ist. Die Aberkennung der Amtsfähigkeit ist jedoch erst Folge einer strafgerichtlichen Verurteilung wegen einer als Verbrechen qualifizierten Straftat (Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr). 

36. Wer darf sich Steuerberater/in nennen?

Die Bezeichnung "Steuerberater/in" darf gemäß § 43 Abs. 4 StBerG nur führen, wer nach dem Steuerberatungsgesetz dazu berechtigt ist. Dies sind die Personen, die nach bestandener Steuerberaterprüfung (§§ 35 ff. StBerG) oder nach der Befreiung von der Prüfung (§ 38 StBerG) durch die zuständige Steuerberaterkammer als Steuerberater/in bestellt worden sind (§ 40 Abs. 1 StBerG). Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer sind zwar aufgrund ihrer Ausbildung zur geschäftsmäßigen Hilfeleistung in Steuersachen befugt (§ 3 Nr. 1 StBerG), dies bedeutet aber nicht, dass sie den Titel "Steuerberater/in" führen dürfen.

37. Können Steuerbevollmächtigte leichter Steuerberater/in werden? 

Nein, nicht mehr. Bis zum 30. Juni 2000 fand sich im Steuerberatungsgesetz eine Regelung, wonach Steuerbevollmächtigte zum/r Steuerberater/in zu bestellen waren, wenn sie ihren Beruf als Steuerbevollmächtigte sechs Jahre hauptberuflich ausgeübt und an einem von der zuständigen Steuerberaterkammer durchgeführten Seminar erfolgreich teilgenommen haben (§ 157 StBerG). Diese Norm wurde jedoch, wie auch der korrespondierende § 40 a Abs. 1 Satz 3 StBerG, zum 1. Juli 2000 aufgehoben. Seitdem besteht keine Möglichkeit mehr, auf diesem Weg eine Bestellung zum/zur Steuerberater/in zu erlangen. Hierfür ist grundsätzlich das erfolgreiche Bestehen der Steuerberaterprüfung Voraussetzung.

38. Wie hoch ist das Anfangsgehalt einer/s angestellten Steuerberaters/in?

Hierzu kann keine pauschale Auskunft gegeben werden. Die Höhe des Anfangsgehaltes ist abhängig von der beruflichen Qualifikation, evtl. Spezialkenntnissen, den regional üblichen Gehaltshöhen (Nord-Süd- sowie Ost-West-Gefälle), Verhandlungsgeschick und gegebenenfalls auch, wie man sich in der Praktikumszeit bereits bewährt hat. Keinesfalls hat die Bundessteuerberaterkammer "Richtsätze" für die Bezahlung von Angehörigen steuerberatender Berufe erstellt. Da auch keine Gehaltsumfragen durchgeführt werden, entzieht sich die Höhe der Gehälter unserer Kenntnis. Möglicherweise kann Ihnen die örtlich zuständige Steuerberaterkammer Auskunft zu den Verdienstmöglichkeiten in Ihrer Region geben. Die Anschriften finden Sie unter: "www.bstbk.de" (Wir über uns/Organisation/Steuerberaterkammern).

39. Seit Inkrafttreten des Achten Steuerberatungsänderungsgesetz (1. April 2008) besteht die Möglichkeit, sich auch dann zum Steuerberater bestellen zu lassen, wenn man Angestellter eines Unternehmens ist und bleiben möchte (Syndikus-Steuerberater). Welche Voraussetzungen muss man für die Bestellung erfüllen?

Eine Bestellung zum (Syndikus-) Steuerberater setzt voraus, dass man im Rahmen des Angestelltenverhältnisses Tätigkeiten im Sinne des § 33 StBerG erbringt. Außerdem ist das Einverständnis des Arbeitgebers erforderlich, dass neben der Angestelltentätigkeit der Beruf des Steuerberaters ausgeübt wird. Die Erfüllung dieser Voraussetzungen ist in einer entsprechenden Arbeitgeberbescheinigung nachzuweisen. Weiterhin muss eine eigene berufliche Niederlassung begründet und eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen werden.
 

zurück